Sonntag, 16. Oktober 2011

Seit dem letzten Post ist einige Zeit vergangen. Zeit, die man niemandem wünscht.



Ich musste mich von meinem Papa verabschieden.

Gestern war die Beisetzung. Dieses schreckliche Gefühl der Unabwendbarkeit hatte mich die ganze Zeit fest im Griff. Eigentlich hatte ich ein halbes Jahr Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Aber die Hoffnung an Papas Heilung oder zumindest Linderung seiner Krankheit hat das verhindert. Wie soll man sich auch an so einen Gedanken gewöhnen? Es gibt keinen festgelegten Zeitpunkt. Und es gibt einfach zu viele Gefühle, die es verbieten. Und das ist genau richtig so. Aber es macht es nur schlimmer. Gerade die letzten Wochen haben mich nachdenken lassen. Ich wollte nicht nur von außen sehen. Man sieht einen Menschen leiden und hat Mitgefühl. Das war mir nicht genug. Ich habe versucht, es mir vorzustellen, wie es ihm wirklich geht. Mit all den seelischen Strapazen, die mit den Schmerzen in Verbindung stehen. Wie er mit seiner Persönlichkeit damit umgeht. Ich hatte eine Vorstellung und habe gelitten. Aber das war nichts im Vergleich zu dem, was er wirklich durchgemacht hat.
Die Frage nach dem Warum zu stellen, ist wie in so vielen Fällen sinnlos. Selbst wenn man sie beantworten könnte, könnte man die Konsequenzen nicht ändern. Es macht mich nur so unendlich traurig, dass Papa auf dem Weg so leiden musste. Ihn im Krankenhaus als Schatten seiner Selbst zu sehen, war furchtbar. Papa war immer wie ein großer, kräftiger Baum für mich. Kräftige Schultern, starke Arme. Nun brachte ihn ein leichter Windstoß zum Wanken.

Was bleibt, ist die Erinnerung. Und die Dankbarkeit. Ich habe viel von Papa gelernt. Und ich habe viel von ihm geerbt. Seine Liebe zur Musik. Seine Liebe zum Handwerken. Und seine Talente dazu. Man bekommt immer etwas von beiden Elternteilen (und was ich von meiner Mama hab, schätze ich genauso), aber gerade in den letzten Jahren sind bei mir einige Seiten zum Vorschein gekommen, die ich von Papa habe. Die Erkenntnis darüber macht mich froh, denn so lebt Papa irgendwie weiter.

Papa, ich habs dir zu selten gesagt. Ich hab dich lieb. In meinem
Herzen wirst du immer da sein.
Schlaf gut.

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